Aktuelle Ausgabe

Titelthema

Noch nicht im Chaos –
Brexitstimmung für Kopfschütteler

Jetzt liegt er schon seit Wochen fertig geschrieben auf dem Schreibtisch, mein schöner Bericht über ein gemütliches Wochenende bei Freunden in London. Über Parkspaziergänge mit Picknick. Über original britischen Nachmittagstee mit Scones und Earl Grey. Über Museumsbesuche in ehrwürdigen Hallen, buntes Shopping bei Harrod’s und gemütlichen Sonntagsbrunch in einer schnuckeligen Brasserie. Über so vieles, was zu einem schönen entspannten Wochenende in der englischen Hauptstadt gehört.

Und zugleich frage ich mich seit Wochen: Kann das so in den Druck? Hat vor dem Hintergrund des Brexit-Theaters überhaupt noch jemand Lust, einen London-Reisebericht zu lesen? Kann man die britische Metropole derzeit einfach nur als schönes Reiseziel betrachten?

Vor Ort haben wir festgestellt: Es ist auch in Zeiten des Brexit wunderbar, London zu besuchen. London ist unabhängig von allen politischen Verwirrungen eine unglaublich vielfältige und schöne Stadt. Mit etwas Galgenhumor könnte man sogar sagen: Es schwingt gerade im Moment eine gewisse Exotik mit, sich dieses »Austrittsvölkchen“ anzuschauen, das zwar nicht von einem anderen Stern, aber voraussichtlich bald kein EU-Land mehr ist.

Im Folgenden also mein kleiner London-Bericht. Ich hoffe, Sie haben Ihre Freude daran, und ich gelobe feierlich, das Wort »Brexit“ im Laufe des Artikels nicht mehr zu erwähnen.

Die Hauptstadt Großbritanniens an der Themse lockt mit ikonischen Bauwerken wie Big Ben und den »Houses of Parliament“, mit weltberühmten, eintrittsfreien Museen wie der National Gallery und als Einkaufsparadies mit bekannten gehobenen Konsumtempeln wie etwa Harrod’s. Der britische Lifestyle changiert zwischen Tradition und Moderne: Man denkt an Picknicks im Park, den klassischen Nachmittagstee mit Scones und den gemütliche Pub-Besuch am Abend, rote Telefonzellen, eine winkende Queen vor dem Buckingham Palace, schwarze Taxen, gemütliche Cafés mit Ohrensesseln und Nieselregen vor den Fenstern, royale Hochzeiten und Spaziergänge am Themseufer bei Nacht. Herrlich!

London ist mit seinen etwa 10 Millionen Einwohnern die größte Metropole der Europäischen Union. 50 nach Christus als Londonium gegründet, wurde die Stadt 1000 Jahre später Hauptstadt des Königreiches England. Seit dieser Zeit ist London übrigens schon der Sitz des britischen Königshauses. Von 1900 an war die Themenstadt gut zwei Jahrzehnte lang sogar die größte Metropole der Welt.

Heute ist London ein weltberühmtes Kulturzentrum mit diversen renommierten Museen, Theatern und Hochschulen sowie eines der bedeutendsten Handelszentren der Welt. Mit jährlich etwa 20 Millionen Besuchern gehört London zudem zu den touristisch beliebtesten Städten. Kein Wunder, denn in der ebenso modern-internationalen wie historisch-traditionsbewussten Metropole findet bestimmt jeder etwas Reizvolles für den eigenen Aufenthalt.

Fortbewegung in London

Wie bereits erwähnt, ist London einerseits eine alte Dame, andererseits eine moderne Weltstadt. Dieser Kontrast spiegelt sich auch in Bezug auf die Barrierefreiheit wider. So werden neue Gebäude, wie etwa Galerien, Kinos oder Theater, nach besten internationalen Standards barrierefrei gebaut. Die neuen Bahnstrecken, wie etwa die von den großen Flughäfen in die Innenstadt, sind wunderbar für Rollstuhlfahrer nutzbar. Auf der anderen Seite ist das U-Bahn-System das älteste der Welt und die Umbauten in den Tiefen der Metropole stellen eine große Herausforderung dar.

Das öffentliche Nahverkehrssystem wird in jedem Jahr besser für Menschen mit Gehbehinderung nutzbar. Der Straßenverkehr läuft tagsüber oft recht flüssig. In der Rush Hour ist das Straßennetz allerdings genau so überlastet wie in vielen anderen Weltstädten auch. Es empfiehlt sich daher, gar nicht erst ins Auto zu steigen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man bei entsprechender Planung insgesamt gut und günstig voran. Noch entschleunigender ist es ganz ohne Motor, vor allem in der flächenmäßig überschaubaren historischen Innenstadt. Die Bürgersteige der Stadt sind größtenteils breit und sauber, an den Straßenübergängen sind die Bordsteine abgesenkt, und die Zahl der Blindenampeln nimmt stetig zu (ist jedoch immer noch ausbaufähig).

Öffentliche Verkehrsmittel

Seit 1998 entsprechen alle neuen Züge und Bahnen den Richtlinien auch in Bezug auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen. Seit 2000 trifft dies auch auf alle neuen Busse zu. Ab 2017 sollten alle alten wie neuen Busse diesem Standard entsprechen – bei unserem Besuch traf dies auch tatsächlich auf alle von uns benutzen Modelle zu.

London Underground: Die erste Untergrundbahn der Welt wurde hier 1863 in Betrieb genommen. Entsprechend alt sind viele Streckenabschnitte. Es wird wohl noch einige Jahre dauern, bis alle knapp 300 Haltestellen rollstuhlgerecht modernisiert sind. Immerhin gibt es Fortschritte: Seit fast 20 Jahren wird nur noch barrierefrei gebaut. So ist die Jubilee Line, welche 1999 in Betrieb genommen wurde, u.a. zwischen Stratford und Westminster komplett barrierefrei.

Wer schauen möchte, wie es mit der Barrierefreiheit der gewünschten Abfahrts- und Ankunftshaltestelle ausschaut, findet hilfreiche Informationen online: http://www.inclusivelondon.com/londonunderground

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Mit dem Rollstuhl in die Berge:

Die große Freiheit, in den Wolken
zu baden

Das Hochgebirge, so wirkt es zumindest aus dem Tal, ist eine Welt der steilen Abhänge, der spitzen Felsen und scharfen Grate. Eine Welt für Bergbauern, Wanderer, Kletterer, Skifahrer, eine Welt für Hand und Fuß. Einerseits. Andererseits können auch Menschen mit körperlicher Einschränkung ihr tiefsommerblaues, hochalpines Bergwunder erleben – so wie Kim Lumelius in der UNESCO Region Schweizer Alpen Jungfrau Aletsch. Die junge Frau geht in der Aletsch Arena sogar in die Luft – ganz ohne Rollstuhl ›Lutzi‹. Eine nie gekannte schwerelose Freiheit.

Rekord im Rollstuhl:

Hamburg-München in elf Tagen

Vor rund 40 Jahren berichtete die Zeitschrift STERN über einen zu jener Zeit einzigartigen Rekordversuch der Rollstuhlfahrer Otto Daufeld und Albrecht Hung. Allen Widrigkeiten zum Trotz legten die beiden mit ihren Rollstühlen in elf Tagen 800 Kilometer zwischen Hamburg und München zurück – und bewiesen so, dass sich mit Motivation und Willenskraft körperliche Einschränkungen überwinden lassen. Obwohl sich die Lebensrealitäten seit 1978 verändert haben, ist die Botschaft des Artikels heute noch so relevant wie damals. Jedem ist es möglich, mit genügend Durchhaltevermögen seine Ziele zu erreichen, allen Zweiflern zum Trotz.

Automobilität

»Ich hätte nie gedacht, dass es so schnell klappt«

Der 17-jähige Luca ist mobil. Nun fährt er selbst zu seinem Ausbildungsbetrieb oder in die Berufsschule.

»Bald kann ich selbst entscheiden wann ich früh losfahre«, freut sich Luca. Ende Januar wurde er 18 Jahre alt und darf nun selbstständig sein neues Auto fahren, ohne dass sein Vater Matthias Voll ihn begleitet. Der junge Mann hat eine spinale Muskeldystrophie Typ 2 und sitzt von klein an im Rollstuhl, hat wenig Kraft in den Händen. Luca freut sich über die neu gewonnene Selbständigkeit. »Man ist einfach flexibler und auf niemanden angewiesen.« Der 17-jährige absolviert seit September eine Ausbildung zum Sozialversicherungsangestellten.

Was möglich war, hat der Estenfelder bisher mit seinem Elektro-Rolli erledigt, zum Beispiel Termine bei der Krankengymnastik. Im Sommer gehe das immer noch, doch mehr als zehn Kilometer Reichweite seien schwierig zu bewältigen. »Jetzt habe ich ein Dach über dem Kopf«, sagt er. Neben dem neuen Auto hat Mussoni seit gut zwei Monaten auch einen Paravan-Elektrorollstuhl PR 50, mit integriertem Hosenträgergurt und einer individuell vom Sanitätshaus angepassten Sitzschale mit Gleitrücken, mit dem er direkt hinter das Lenkrad fahren kann. Über die Paravan Dockingstation wird der PR 50, der als einziger Rollstuhl europaweit als vollwertiger Fahrersitz zugelassen und nach Paragraph 35a Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) Crash getestet ist, fest mit dem Auto verbunden. »Man ist deutlich stabiler im Auto fixiert, als mit einem anderen Rollstuhl«, bestätigt Luca.

Die Mercedes V-Klasse ist mit einem zwei Mal »Zwei-Wege-Joystick«, für Lenkung – rechts – und Gas und Bremse – links – sowie mit dem PARAVAN Voice-Control System  ausgestattet. Über das vollredundante Drive-by-wire-System »Space Drive« ist die Steuerung des Autos – also die Bedienung von Lenkung, Gas und Bremse – ganz flexibel, individuell auf die jeweilige Beeinträchtigung abgestimmt.

Veranstaltungen

Rehamesse IRMA in Bremen:

Umfangreiche Angebote, hochwertige Beratungs- und Versorgungsleistungen

Vom 14. bis 16. Juni 2019 können sich Menschen mit Behinderung, Senioren und pflegende Angehörige auf der Messe IRMA in Bremen über die neuesten Entwicklungen auf dem Rehamarkt informieren. Innovative Produkte und Dienstleistungen von über 120 Ausstellern erwarten die Besucher. Geboten wird alles, was das Leben mit Einschränkung erleichtern und zu mehr Selbstständigkeit, Lebensqualität und Komfort verhelfen kann. Aussteller der IRMA setzen auf eine qualitativ hochwertige und individuelle Hilfsmittelversorgung für alle. Auf der IRMA stehen der Mensch und die gleichberechtigte Teilhabe am Leben im Mittelpunkt.

Vielfältige Vorteile für Messebesucher: Oft wissen behinderte Menschen und deren Angehörige nicht genau, welche Unterstützung ihnen zusteht. Auf der IRMA können sie sich bei Spezialisten darüber informieren und erfahren, wie man vor dem Hintergrund gesetzlicher Ansprüche auf eine gleichberechtigte Teilhabe am Leben die richtigen Anträge stellt, um Kostenübernahmen oder Zuschüsse zu erhalten. Doch nicht nur das. Besucher haben hier die Möglichkeit, Anbieter zu vergleichen, Neues zu entdecken und die beste Lösung für ihre persönlichen Ansprüche zu finden.

Rollstuhlparcours: Auf großen Freiflächen in der Sporthalle (Halle 6) können Besucher schnelle Elektrorollstühle, Spezialräder, Handbikes und Scooter testen und Probe fahren. Auf einem gesonderten Rollstuhl-Parcours werden reale Hindernisse wie Bordsteinkanten, Kies- oder Sandwege, Gefälle, Steigungen und enge Türen simuliert. Dieser Testparcours läuft unter dem Projektnamen „Perspektivwechsel“. Auch nicht betroffene Menschen können sich mit einem Leihrollstuhl an dem Parcours versuchen. Ziel des Projekts ist unter anderem, die Bevölkerung für das Thema Barrierefreiheit zu sensibilisieren.

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