Der Netzwerker – Richard J. Schaefer im Porträt

Ausgabe 03-2019

Der Notfallseelsorger Richard J. Schaefer (Foto: Netzwerk Quer-Schnitt)

»Küss´ die Hand, gnä´ Frau«, verabschiedet er sich in scherzendem Tonfall – echt österreichisch. »Ich muss gleich weg, morgen geht es zu den 5Fingers. « Er will mit Helfern ins Dachstein-Gebirge, auf die berühmten fünf Finger aus Stahl und Glas, unter denen sich die Landschaft tief erstreckt.

Früher waren die Alpen für Richard Schaefer die reine Erholung, oft ist er an freien Tagen ins Salzkammergut gefahren. Inzwischen sind manche Ausflüge für ihn anstrengend. Viereinhalb Stunden darf er im Rollstuhl sitzen. Dann muss er ebenso lange wieder liegen. Doch das Wort Stress kommt in seinem Wortschatz nicht vor. »Wissen Sie«, sagt er in gemütlichem Tempo, »das ist alles eine Frage guter Organisation.«

Der Kreis ist folgerichtig das Sinnbild für seine tägliche ehrenamtliche Arbeit: Stränge zusammenführen, Kommunikation stärken, Entwicklung fördern ist sein Ziel. Richard J. Schaefer, 58, berät Betroffene und deren Angehörige zum Thema Leben mit Querschnittlähmung. Und Ratsuchende kommen zu ihm mit Fragen aus allen Lebensbereichen ihres neuen Alltags. 

Mit fünf Beratungssäulen ist das Netzwerk Quer-Schnitt Linz breit aufgestellt. Mehrere Aus- und Weiterbildungen hat der diplomierte Pfleger dafür inzwischen absolviert. Warum so viele? »I wü kei Kuchenstückerl sei«, scherzt er in breitem Dialekt, »I wüi die ganze Tortn sei.« Da spricht der engagierte Querdenker. Und der Genussmensch. 

Auf dem Heimweg verunglückt

Bis zu seinem 44. Lebensjahr arbeitet Richard Schaefer als Fach- und Lehrpfleger für Psychiatrie und Neurologie an einem Universitätskrankenhaus in Salzburg, wo er zeitweise auch eine Station leitet. In seiner Freizeit engagiert er sich bereits seit seiner Jugend als freiwilliger Helfer beim Roten Kreuz, steht Verletzten und Hinterbliebenen als Traumatherapeut zur Seite. Während der Lawinenkatastrophe von Galtür ist er einer derjenigen, die vor Ort die Krisenintervention entwickeln. Bis er im Oktober 2005 selbst verunglückt, auf dem Heimweg von einem Einsatz. Unverschuldet. Ab diesem Zeitpunkt ist er unter anderem komplett querschnittgelähmt.

Nun ist er selbst der Betroffene. Ein zertrümmertes Schultergelenk stirbt ab, er erhält eine Prothese. Ein Jahr später auch noch einen Katheter über den Bauchnabel. 35 Monate dauert seine erste Reha. Zeit genug, sich mit der neuen Situation auseinanderzusetzen. Und mit den Angeboten, die dafür vorgesehen sind. 

»Vom Bett aus« entwickelt Schaefer mit einer Physiotherapeutin 2009 das erste Kompetenz-Zentrum Querschnitt, damals noch in Salzburg. Schritt für Schritt baut er die kommenden Jahre dann sein Beratungs-Zentrum in Linz auf. …

Text: Gabriele Wittmann