Vom Kissen auf die Straße: Trendsport Wheelchair-Skaten

Wheelchair-Skaten bedeutet Selbstbewusstsein und sicheres Fahren in jedem Alter (Fotos: Margarethe Quaas)

Kinder lachen. Autotüren fallen zu. Eltern und Begleiter greifen Beutel und Helme. Manche Kids tragen bereits Schoner an Knien und Ellenbogen. Zielgerichtet fahren sie in ihren Rollstühlen auf den Eingang zu, auf ihren Gesichtern liegt ein aufgeregtes Strahlen. Zwischen ihnen fährt ein Herr in modernem Rollstuhl, seine Ausrüstung ist komplett in Schwarz. Auch er scheint nicht das erste Mal hier zu sein.

An diesem Samstag finden sich rund 20 Personen im Ackerpoolco ein, dem Haus der Jugend im Hamburger Stadtteil Eidelstedt. Sie kommen zum Skaten. An sich nichts Ungewöhnliches, hätte nicht jeder Teilnehmer bereits selbstverständlich Rollen unter sich.

Wheelchair-Motocross, kurz WCMX, ist ein relativ junger Sport. Noch vor zehn Jahren in Deutschland unbekannt, wird er heute immer mehr angenommen – von Menschen mit und ohne Rollen. Wie bei jeder Rollsportart geht es um die geübte Beherrschung des Fahrzeugs durch eigenen Körpereinsatz. Und um Spaß. Denn Skaten verbindet. Man tauscht sich aus, zeigt gerade erlernte Tricks – vom »Acid drop«, bei dem der Rollstuhlskater von einer höheren auf eine niedrigere Fläche springt, bis zum »360 manual«, einer 360-Grad-Drehung um die eigene Achse, bei der die Vorderräder

in der Luft stehen.

Wer allerdings nur an jugendliche Skater denkt, der irrt. Der Herr in schwarzer Montur ist Manfred, er ist Mitte 60. Der ehemalige Architekt hatte vor fünf Jahren einen Autounfall, ist seitdem querschnittgelähmt. Er war ein Teilnehmer der ersten Stunde, als 2017 die WCMX Workshops in Hamburg begannen. Seitdem kommt er regelmäßig. Ihm ist vor allem der Austausch wichtig: »Seit ich selbst im Rollstuhl sitze, fällt mir auf: Untereinander unterhalten sich die Behinderten hier über Dinge, die sind fast intim«, erzählt er beim Kaffee im Vorraum des Jugendhauses. »Weil man durch seine körperlichen Probleme eben ähnliche Sorgen hat.« …

Text: Margarethe Quaas

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