Roll-Splitt: »Reichlich Versalzen«

von Burkhard Bujotzek

Mamorkies
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Salz! Kein Ort ist so mit diesem Gewürz verbunden wie Bad Reichenhall. Dabei steht die Stadt nicht allein für Speisesalz. Neben den von üppiger Salzsole gespeisten Bädern locken auch der Status als Luftkurort und die schöne Alpenlandschaft Gäste von nah und fern. Viele sind in ihrer Mobilität eingeschränkt und auf einen Rollstuhl angewiesen. »Hier ist in den letzten 30 Jahren viel geschehen« wirbt denn auch ein Prospekt des Fremdenverkehrsamtes für barrierefreie Angebote.

Eine unserer Leserinnen folgte dem Versprechen. Elly Winter Kaufeld wartete diesen Sommer in ihrem Elektro-Rollstuhl auf den Bus, der sie zu einem Badesee bringen sollte. Doch schon bei der Anfahrt schüttelte der Fahrer abweisend den Kopf. Als sie auf ihrem Beförderungsanspruch beharrte, bedachte er sie mit einer beleidigenden Abfuhr und ließ die Frau empört zurück. Dies wiederholte sich noch zweimal, wobei auch ein weiterer Busfahrer meinte, dass »Troll dich!« der richtige Umgangston für Gäste sei.

Vielen ist es auch andernorts ähnlich ergangen. Manchen Verkehrsbetrieben ist es nicht sofort gelungen, ihren Fahrern den Unterschied zwischen den neuen, nicht beförderungsfähigen E-Scootern und einem E-Rollstuhl zu vermitteln, für den eine Mitnahmepflicht besteht. In Bad Reichenhall scheint es aber noch gar nicht geschafft.

Auch ein Jahr nach dem Vorfall vermag der verantwortliche Vorstand der Stadtwerke, Jörg Schmitt, auf unsere Nachfrage keinen Fehler oder gar den Bedarf einer Entschuldigung erkennen. Im Gegenteil. Er und seine Fahrer haben seiner Ansicht nach alles richtig gemacht. Selbst an der Pöbelei sei sicher unsere Leserin selbst schuld.

Es ist schade, dass die Anstrengungen vieler Menschen um mehr Barrierefreiheit durch solche Ignoranz Schaden nehmen. Wer das nicht will, sollte dafür sorgen, dass E-Rollstuhlfahrer endlich in den Bussen mitgenommen werden, wie es inzwischen längst gesetzlich vorgesehen ist.

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