Ein zweites Leben

Nach vorn gucken und hinter sich lassen, was nicht zu ändern ist – das ist die Devise von Angie Berbuer. Im Alter von 21 Jahren verlor die sportliche junge Frau bei einem Autounfall beide Unterschenkel. Wie durch ein Wunder waren professionelle Ersthelfer zur Stelle, die die Blutung stillen konnten, und sie überlebte. Noch im Krankenhaus machte die junge Kölnerin ihre Geschichte öffentlich und begann, zunächst aus Langeweile, online über ihre gesundheitlichen Fortschritte zu berichten. Das war der Anfang ihres »zweiten Lebens«: Mit ihrer positiven Lebenseinstellung gewann sie schnell Follower in den Sozialen Medien, und auch die Presse interessierte sich zunehmend für ihre Geschichte. Berbuer merkte, dass ihr Lebensmut auch anderen Menschen Kraft gab. Nicht zuletzt dank ihrer extrovertierten Persönlichkeit gelang es ihr schließlich, eine Karriere als erfolgreiche Influencerin aufzubauen. In diesem Buch erzählt Angie Berbuer unterhaltsam und mit trockenem Humor nicht nur, wie sie damals »so schnell wieder auf die (nicht mehr vorhandenen) Beine« kam, sondern schreibt auch von ihrer Familie, ihren Freunden und Followern und nicht zuletzt von ihrer großen Leidenschaft, dem Kraftsport. Weil sie ihr Schicksal angenommen hat, ist ihr Leben heute nicht schlechter, sondern anders und bunter: »Ich bin glücklich! Und nicht trotz meiner fehlenden Beine, sondern mit meinen fehlenden Beinen. Dass sie nicht da sind, gehört zu mir.« (as)

Ein zweites LebenTitelbild: Topicus Verlag
Titelbild: Patmos Verlag
Angie Berbuer: Mein Glück ist meine Entscheidung. Wie ich meine Beine verlor und
mein Lächeln behielt.
Topicus 2022, 251 Seiten,
EUR 9,99.

Das eigene Ding machen

Viele Bücher, die wir in den letzten Ausgaben vorgestellt haben, berichten von Menschen, die zeigen, dass es möglich ist, ehrgeizige Ziele zu erreichen. Die Kehrseite der Medaille: Oft gehört dazu die Bereitschaft, mit Ausdauer und 120 Prozent Leistungsbereitschaft an sich zu arbeiten und sich gegen innere und äußere Widerstände durchzusetzen. Für manche Menschen ist so eine Herausforderung genau das Richtige – andere fühlen sich vielleicht schon vom Alltag mit Einschränkungen überfordert.

Dabei lässt sich Erfolg auch anders definieren. Was uns erfolgreich macht, ist laut dem bekannten Hamburger Coach und Psychologen Tom Diesbrock »nicht Perfektionsstreben oder bedingungsloses Engagement, sondern der Mut, das eigene Ding zu machen und dem eigenen Kompass zu folgen.« Zu hohe Messlatten können die Lebensqualität dagegen dauerhaft einschränken und die Gesundheit gefährden. Mehr noch: Scheitert man
daran, rutscht das Selbstwertgefühl in den Keller. Wie man sich selbst realistische Ziele setzt und es vermeidet, sein Selbstbewusstsein durch Vergleiche mit anderen Menschen oder durch unbewusste, zu hohe Erwartungen an sich selbst abzuwerten, lässt sich mit Hilfe dieses locker geschriebenen Ratgeber-Arbeitsbuches Schritt für Schritt ergründen. (as)

Tom Diesbrock: Lass mal locker:
Vom klugen Umgang mit dem kleinen Perfektionisten in unserem Kopf.
Patmos 2021, 144 Seiten, EUR 16,45.

Rolling Mum

Wer schon einmal ein Kind großgezogen hat, weiß, wie anstrengend das erste Jahr mit Baby sein kann. Der gewohnte Alltag steht Kopf, oft fehlt sogar die Zeit zum Duschen. Katharina Riedel, die aufgrund einer
infantilen Zerebralparese auf den Rollstuhl und ganztägige körperliche Betreuung angewiesen ist, kann ein Lied davon singen – und tut das auch. Sie hat nämlich nicht nur ein Kind bekommen, sondern auch ein Buch
darüber geschrieben: wie das ist, als körperbehinderter Mensch eine Familie zu gründen. Vorab: Es ist gar nicht so anders als sonst auch – und das ist vielleicht der spannendste Aspekt dieses Buches. Ohne Scheu vor intimen Details berichtet Riedel von ihrer prägenden Behinderung, ihrer Kindheit, Jugend und Berufstätigkeit
und schließlich von Familienplanung, Geburt und Babyzeit. Die Entscheidung für das Kind, die sie und ihr Mann nach der Konsultation diverser Ärzte trafen, war für sie die beste ihres Lebens. Möglich wurde sie auch, weil Riedel im Rahmen der ungarischen Petö-Therapie von klein auf gelernt hatte, »an die eigenen Fähigkeiten zu glauben und für die eigenen Ziele zu kämpfen«.

Mit ihrem Bericht möchte die Autorin, die als »Rolling Mum« auch auf YouTube präsent ist, anderen Betroffenen Mut machen und eine Entscheidungshilfe bieten. Man braucht als körperbehinderte Mutter Geduld, muss sich mit Bürokratie herumschlagen und vieles organisieren – aber das ist für Betroffene ja (leider) nichts Neues. (as)

Katharina Riedel: Mami auf Rädern.
Romeon 2022, 156 Seiten, EUR 14,34.

Datenschutz-Einstellungen (Cookies)

Wir setzen Cookies auf den Internetseiten des Rollstuhlkurier ein. Einige davon sind für den Betrieb der Website notwendig. Andere helfen uns, Ihnen ein verbessertes Informationsangebot zu bieten. Da uns Datenschutz sehr wichtig ist, entscheiden Sie bitte selbst über den Umfang des Einsatzes bei Ihrem Besuch. Stimmen Sie entweder dem Einsatz aller von uns eingesetzten Cookies zu oder wählen Ihre individuelle Einstellung. Vielen Dank und viel Spaß beim Besuch unserer Website!