Bei den drei zum Stellantis-Konzern zählenden Automarken Citroën, Opel und Peugeot ist bereits eine Entscheidung gefallen: Ihre Hochdachkombis werden künftig ausschließlich mit Elektroantrieb verkauft. Fahrzeug-Umbauer wie MobiTEC stellt das vor neue Herausforderungen. Die Experten bauen im Allgäu gerade den ersten Heckausschnitt in einen Opel Combo-e Life ein.

Hochdachkombi-Interessenten haben die Qual der Wahl: Die nahezu identische Technik gibt es zu sehr ähnlichen Preisen sowohl als Citroën Berlingo, Opel Combo Life und Peugeot Rifter. Die meisten Kunden werden sich somit aufgrund kleiner Unterschiede entscheiden – im Design, bei der Innenausstattung oder weil der Händler in der Nähe ein besonders gutes Angebot machen kann. Die Motorisierung ist jedenfalls überall dieselbe: ein Elektromotor mit 136 PS/100 kW treibt die Vorderachse an. Benziner und Diesel gibt es nicht mehr.

Die Entscheidung, die Verbrennungsmotoren vom Markt zu nehmen, hat nicht nur Folgen für die Kunden, sondern auch für Unternehmen, die Autos für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen umbauen. »Für die Hochvoltsysteme von Elektroautos entwickeln wir neue Lösungen«, sagt Marco Damaschke, einer der drei Geschäftsführer von MobiTEC. In der Werkshalle lässt er sich von uns über die Schulter schauen: »Da am Akku-Paket im Unterboden nichts verändern werden sollte, müssen wir neue Wege gehen.«

Design

In der Werkstatthalle parkt ein Opel Combo-e mit langem Radstand: so eine Art elektrischer »Erstling« für die Allgäuer Umbauexperten. Denn auch wenn bereits in der Vergangenheit elektrische Kundenfahrzeuge mit verschiedenen Fahrhilfen ausgestattet wurden, handelte es sich bislang immer um Einzelfälle.

Beim Combo-e ist das etwas anders, da eine deutlich größere Stückzahl nachgefragt werden dürfte. Aufgrund seiner stattlichen Höhe und der kastenartigen Silhouette eignet sich der Hochdachkombi besonders gut für den Rollstuhlfahrer-Ausbau. Die niedrige Ladekante, das große Heckportal und die seitlichen Schie- betüren machen den Opel zu einem beliebten Basisfahrzeug.

Innenraum

Der elektrische Combo-e Life ist in zwei unter- schiedlichen Längen (4,40 oder 4,75 Meter) zu haben, jeweils als Fünf- oder Siebensitzer und wahlweise mit einer oder zwei seitlichen Schiebetüren. Der Kofferraum fasst zwischen 597 Li- ter und 2 126 Liter dachhoch bei umgelegten Rücksitzen. In die XL-Langversion passen 850 beziehungsweise 2 693 Liter. Zahlreiche Fächer, Ablagen und Getränkehalter bieten zusätzliche Möglichkeiten zum Verstauen kleinerer Gegenstände. Neben dem e-Life in Basisausstattung gibt es diesen noch in den höherwertigen Ausführungen Edition, Elegance und Ultimate. Als XL (Aufpreis 1 700 Euro) kann er ausschließlich als Elegance geordert werden.

Multimedia und Bedienung

Die Abkehr von sämtlichen Schaltern und Knöpfen hat bei Opel glücklicherweise noch keine Mehrheit gefunden: Viele Funktionen – etwa die Klimaanlage – lassen sich weiterhin auf bekannte und ergonomische Weise bedienen. Der große berührungsempfindliche Bildschirm beherbergt die Informations- und Unterhaltungszentrale und liegt gut im Blickfeld des Fahrers. Die gewünschten Fahrstufen D, R, N oder P sowie den verstärkten Rekuperationsmodus B legt der Fahrer ohne viel Kraftaufwand über einen Wippschalter auf der Mittelkonsole ein.

Assistenzsysteme

Spurhalte- und Berg-Anfahr-Assistent, Verkehrsschild- und Müdigkeitserkennung sowie Frontkollisionswarner mit automatischer Gefahrenbremsung sind Beispiele aus dem Paket der serienmäßigen Assistenzsysteme. Bei den höherwertigen Ausführungen kommen noch Rückfahrkamera, Toter-Winkel-Warner, Headup-Display sowie die digitale Instrumentenanzeige hinzu. Für 250 Euro Aufpreis ist ein adaptives Traktionssystem für Schlechtwegestrecken bestellbar.

Antrieb

Den Strom für die E-Maschine liefert ein Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 50 Kilowattstunden (kWh). Er ist platzsparend und damit ohne Einschränkungen für Passagiere oder Gepäck im Unterboden eingebaut. Mit seinem Gewicht von 340 Kilogramm senkt der Stromspeicher den Schwerpunkt des Fahrzeugs und sorgt dadurch für eine wesentlich stabilere Straßenlage, insbesondere bei Kurvenfahrten oder auch bei Seitenwind.

Über die zweistufig einstellbare Rekuperation wird beim Rollen oder Bremsen zusätzlich Energie rückgewonnen und wieder in die Batterie eingespeist. Im Power-Fahrprogramm stehen die volle Motorleistung sowie 260 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung. Der Combo sprintet dann in 11,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und wird bei 135 km/h elektronisch abgeregelt. Soll Strom gespart werden, empfiehlt sich ein Tastendruck auf Normal oder Eco, wodurch die Leistungsabgabe auf 109 PS/80 kW oder 82 PS/60 kW gesenkt wird.

Reichweite und Ladeleistung

Der Combo-e soll unter bestmöglichen Bedingungen bis zu 280 Kilometer (WLTP) abspulen können. Im Alltag dürften es erfahrungsgemäß rund 200 Kilometer sein, bevor er wieder an die Steckdose muss.

Nach einer halben Stunde an einer öffentlichen Schnellladesäule (100 kW) ist der Akku wieder bis zu 80 Prozent gefüllt, an der heimischen 11-kW-Wallbox dauert es gut fünf Stunden. Auf die Hochleistungsbatterie gibt Opel eine Garantie von acht Jahren oder bis 160 000 Kilometer Laufleistung.

Umbaumaßnahmen

Ein kabelloser Gasring vom italienischen Hersteller Kivi oder eine Lenkrad-Fernbedienung von Bever aus den Niederlanden – bewährte Fahrhilfen eignen sich auch für den Einsatz in Elektroautos. Ein mechanisches Handytech-Handgas-System, einen Beifahrer-Schwenksitz von BraunAbility und einen günstigen Deckenlift von Hermes hat der Combo-e Life ebenfalls eingebaut bekommen.

Damit beispielsweise ein Rollstuhlfahrer über eine ausklappbare Alu-Rampe ins Wageninnere rollen kann, müssen die MobiTEC-Mechaniker einen entsprechenden Heckausschnitt vornehmen und einen tieferliegenden Boden einsetzen. »Gegenüber bisherigen Modellen mit Benzin- oder Dieseltank gibt es beim Elektro- Combo drei besondere Arbeitsschritte«, verrät Michael Ritter aus der Geschäftsführung. »Um genug Innenraumhöhe zu erhalten, senken wir den Akku um einige Zentimeter ab und legen dafür das Fahrwerk etwas höher.« Zusätzlich muss die Standard-Bodenwanne leicht eingekürzt werden, damit sie hinter das Akku-Paket passt. Die Breite des Bodenausschnitts bleibt mit 86,5 Zentimetern vollständig erhalten. Von der werksseitigen maximalen Zuladung (582 Kilogramm) bleiben nach den abgeschlossenen Umbaumaßnahmen noch 527 Kilogramm übrig – bei vier mit Erwachsenen belegten Sitzen und einem Rollstuhlfahrer kann nicht mehr allzu viel Gepäck mitgenommen werden.

Fazit

Auf der technischen Basis des Opel Combo- eLife stellt MobiTEC eindrucksvoll unter Beweis, dass individuelle Einbauten auch im Zeitalter der Elektromobilität funktionieren. Etwas kniffliger wird es da schon, wenn nicht nur ein-, sondern auch umgebaut werden muss. Am Beispiel des Heckausschnitts zeigt sich, welche Herausforderungen die Hochvoltsysteme im Unterboden mit sich bringen. Dank eines entsprechenden Know-hows können Elektroautos schon heute für die Mitnahme von Rollstuhlfahrern umgebaut werden. Das Thema der begrenzten Zuladung müssen die Automobilhersteller allerdings baldmöglichst bearbeiten.

MobiTEC GmbH & Co. KG

Robert-Bosch-Straße 6 88450 Berkheim

Telefon: +49 839 591 008 90 

Mail: info@mobi-tec.de 

Internet: www.mobi-tec.de

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