Schönen guten Tag liebe Leserinnen und Leser,

früher war die Welt einfach. Freund und Feind waren klar erkennbar. Es gab nur zwei Glaubensrichtungen: Pelikan und Geha.

Jeder hatte entweder einen Pelikan-Füller oder einen Geha-Füller. Das waren völlig verschiedene Menschentypen. Die Pelikanisten waren die schlauen, die mit den teuren Klamotten aus gutem Hause, die mit den guten Noten. Und die Geha-Gang, das waren die Streetfighter, die toughen, die sich getraut haben, blau zu machen und im Gitarrenladen rumzuhängen.

Was ich hatte? Ich hatte ’nen Lamy-Füller. Ja, das ist »worst case«. Das musst Du Dir vorstellen: Du sitzt im Rollstuhl, und welchen Füller bekommst Du? Lahmiihh! Das ist so, wie wenn Du nur ein Ohr hast und kriegst zu Weihnachten ’ne Brille mit nur einem Bügel! Und ’nen van Goch Kalender! Und es gab früher klare Regeln. Jeder Pelikanier durfte jedem Gehadisten einmal am Tag den Ranzen ins Klo werfen, und umgekehrt. Eine Regel für Lamys gab’s auch. Die lautete: »Mach mit dem Idioten was Du willst, wann immer Du Bock hast!« Tja, das waren eben klare Regeln. Aber heute? Heute gibt es Cyber-Mobbing. Das ist ein ernstes Thema! Heute wird im Internet so derartig rumgemobbt, dass die Leute teilweise keinen Ausweg mehr wissen. Die schmeißen dann ihren Laptop weg und kaufen ’nen neuen. Weil sie denken, dann wäre das Internet wieder leer.

Aber wie gerät man eigentlich in solche Minderheiten rein? Es gibt ein paar, zu denen gehört man einfach. Ich zum Beispiel habe auf meinem persönlichen Wunschzettel weder Rollstuhlfahrer noch Ausländer der zweiten Generation angekreuzt. Geschweige denn: Lamy-Füller-Besitzer. Aber die meisten Minderheiten sind selbst gewählt.

Du kannst in Deutschland zum Beispiel nicht nur Linkswähler oder Rechtswähler sein, sondern sogar Nichtwähler. Das ist in der Türkei ein bisschen anders, da bist Du automatisch entweder Erdogan-Wähler oder Terrorist. Und wenn dir das Wählen nicht reicht, bitte sehr! Dann kannst du in Deutschland die Demokratie aktiv unterstützen und in eine Partei eintreten. Oder die Demokratie aktiv zerstören. Also in die AfD eintreten.

Also, die meisten Minderheiten sind selbst gewählt, Leute! Hier ein paar Beispiele von Minderheiten, zu denen ich niemals gehören möchte: Ich möchte nicht zu denen gehören, die bereit sind, jeden Anstand, jede Zivilisiertheit, jeden Respekt, also alles, was die Menschheit sich in Jahrhunderten teuer erkämpft hat, in die Tonne zu treten. Um »DIE DA« zu bestrafen, von denen sie glauben wollen, sie wären Schuld daran, dass es »UNS HIER« schlecht geht.

Ich möchte auch nicht zu denen gehören, die diesen Pfeifen Wasser auf ihre Mühlen kippen, indem sie ihre Macht, ihr Geld und jede Schwäche unserer Demokratie ausnutzen, um noch mehr Macht, Geld und sonstwas abzuzocken. Und schon gar nicht möchte ich zu denen gehören, die von irgendwelchen Bühnen runterbrüllen, was gut und was schlecht ist, damit die Welt wieder besser wird. Nein, zu denen bitte auch nicht.

Aber zu einer Minderheit möchte ich unbedingt gehören: zu denen, die nicht aufgeben, die hingucken und darauf zeigen. Die wenigstens versuchen, ein bisschen von dem Feuer auszutreten, das von allen Seiten an das gelegt wird, was uns allen lieb und teuer ist.

Ich möchte wenigstens zu denen gehören, die sich einbilden, sie könnten zu denen gehören. Oder die es wenigstens behaupten. Zu denen, die sagen: Ok, Du hast ’nen Lamy-Füller, aber ich hab’ trotzdem Respekt vor Dir. Zumindest … ein bisschen.

In diesem Sinne,

euer Tan Caglar

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