Empowerment kann jeder buchen

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Ines Spilker und Kerstin Wöbbeking (Fotos: Franziska Vu / ISL e. V.)

»Empowerment« lautet ein Ansatz, den Aktivisten und Psychologen bereits ab den 1960er Jahren entwickelten. Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) bietet derzeit Empowerment-Schulungen für behinderte und chronisch kranke Menschen an. Die Trainerinnen Ines Spilker und Kerstin Wöbbeking erklären, worauf es ihnen ankommt.

Was ist Empowerment?

Empowerment ist eine Lebenshaltung, die von fünf Säulen getragen wird: Selbstachtung, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, Selbstverantwortung und Selbstbestimmung. Diese Lebenshaltung besagt, dass wir viel stärker, größer und fähiger sind, als wir zu denken wagen. Als »empowerter Mensch« übernehmen wir Verantwortung für unser Handeln und unsere Entwicklung. Wir entscheiden selbst, statt uns mit Entscheidungen anderer über uns abzufinden.

Was bedeutet »Selbstbestimmung«?

Ein Mensch kann aufgrund einer körperlichen Einschränkung vollkommen unselbstständig sein und in hohem Maße von Hilfe oder Assistenz durch andere Menschen abhängig. Das schließt aber nicht aus, dass er selbst über sein Leben bestimmen kann. Denn auch mit einer körperlichen Einschränkung können Wünsche geäußert und Anweisungen gegeben werden, zum Beispiel wann, wo und welche Art von Hilfestellung benötigt wird. Selbstbestimmt leben zu wollen setzt voraus, dass wir uns über unsere eigenen Wünsche und Ziele klar werden.

Welche Rolle spielen Empowerment-Schulungen in diesem Prozess?

Als selbst chronisch kranke Trainerinnen möchten wir in unseren Schulungen gemeinsam mit den Teilnehmern ihren persönlichen Weg finden, um aus jeder individuellen Lebenssituation heraus ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ein Empowerment-Training unter Gleichen kann betroffene Menschen darin unterstützen, ihre Bedürfnisse zu identifizieren und Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Es geht darum, selbstbewusst für eigene Interessen einzutreten und sich frei zu machen von bevormundenden Strukturen. …

Fragen: Gabriele Wittmann