Von Müttern und Ärzten Lernen: Eine Leitlinie macht Mut

von Margarethe Quaas

Rollfahrerin mit Mann und Kind
© Amke Baum

An der Klinik angekommen geht der Weg über die Notaufnahme mit dem Fahrstuhl nach unten. In langen Gängen brennt gelbes Licht, ab und an surren die automatischen Türen. Die Sozialpädagogin Amke Baum fährt in ihrem Rolli hindurch, auf dem Weg zur Beratung bei Kai Fiebag. Der Facharzt für Urologie leitet eine Sprechstunde für »Sexualität und Kinderwunsch« am Querschnittgelähmten-Zentrum der BG Klinik in Hamburg-Bergedorf.

Acht Jahre ist das her. Da war Amke Baum bereits schwanger. Seit ihrem 1. Lebensjahr ist sie Tetraplegikerin, kann kaum Rumpf, Beine oder Hände spüren. Mit ruhiger Stimme beantwortete der Facharzt damals die Fragen der Schwangeren. Nahm sich Zeit für Besonderheiten: Ihre Sorge galt damals der sogenannten »Autonomen Dysreflexie«. Diese Komplikation tritt besonders bei Querschnitten der hohen Brust- und Halswirbelsäule auf. Sie ist nicht ungewöhnlich bei Frauen mit Querschnitt.

»In der Tasche hatte ich damals die zwölfseitige Empfehlung zur Schwangerschaft und Entbindung querschnittgelähmter Frauen«, erinnert sich Amke Baum. Die stammte aus dem Jahr 2001. »Es war damals noch eine der wenigen fachübergreifenden Publikationen.«

Zusammen stark

Inzwischen ist Amke Baum glückliche Mutter zweier Kinder. Und sie ist Peer Counselor für das BG Klinikum Hamburg. Sie berät dort ehrenamtlich, aber auch hauptberuflich als Sozialarbeiterin in der EUTB Lüneburg. Ihre Erfahrungen als Betroffene konnte sie auch einbringen in die Entwicklung der medizinischen »Leitlinie Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett bei Frauen mit Querschnittlähmung«, einer für alle Ärzte geltenden Empfehlung, wie mit auftretenden Problemen umzugehen ist.

Auf Initiative und unter Koordination der Paraplegiologin Ines Kurze kam ab 2015 dafür ein Team aus Fachärzten und Experten zusammen. Aus unterschiedlichen Perspektiven erörterten sie die anstehenden Fragen. Amke Baum brachte als Mutter ihre Erfahrungen mit notwendigen Hilfsmitteln in die Leitlinie ein, zum Beispiel einen Flaschenhalter für Tetraplegikerinnen.

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