Neues vom Reha-Markt: Hilfsmittel und Beratung auf der Messe IRMA

von Gabriele Wittmann

Fotos: Escales GmbH, Humanelektronik GmbH, Archiv DRS

Endlich kann sie wieder stattfinden: Die Internationale Reha- und Mobilitätsmesse für Alle (IRMA). Vom 05. bis 07. Mai können sich alle Interessierten über die jüngsten Entwicklungen auf dem Rehamarkt informieren, diesmal im barrierefrei umgebauten CCH – Congress Center Hamburg am Dammtor-Bahnhof.

Innovative Produkte und Dienstleistungen von über 130 Ausstellern erwarten die Besucher. Geboten wird alles, was das Leben mit Mobilitätseinschränkungen erleichtert und zu mehr Selbstständigkeit, Lebensqualität und Komfort verhilft. Die Aussteller setzen dabei auf eine qualitativ hochwertige und individuelle Hilfsmittelversorgung.

An den Ständen präsentieren Firmen ihre Rollstühle, Rollatoren, Handbikes und Scooter sowie Prothesen und Orthesen und andere Mobilitätshilfen. Viele davon können vor Ort ausprobiert werden, Gespräche klären oft viele Fragen oder bringen Lösungen ins Rollen. Auch behindertengerechte Pkws gehören zum Spektrum sowie Pflegehilfsmittel, Hilfen für den Alltag, Kinder-Reha und Kinder-Hilfsmittel.

Die Zukunft

Was kommt nach der Rollstuhl-Technik? Assistive Technologien und Roboter-Technik zeigen Firmen wie Exxomove oder oder Ottobock. Für alle, die eine deutliche Schwäche in der Armführung oder der Greifkraft aufweisen, wurde von Kinova ein Roboterarm entwickelt, der tägliche Aktivitäten wie Essen und Trinken, »assisted living« im Wohnbereich wie das Öffnen einer Tür oder soziale Aktivitäten wie das Spielen von Gesellschaftsspielen ermöglicht. Die Firma Motion Solutions zeigt ihn an einem ihrer E-Rollstühle.

Hightech-Firmen wie HumanElektronik unterstützen kommunikative Prozesse durch Augensteuerung. Das Besondere: Die Technik liegt hier auf IOS-Basis (Apple). So können nicht nur der Rollstuhl, sondern auch Infrarotgeräte, Funkempfänger und Bluetooth Handys selbstständig gesteuert werden. Menschen, die nicht selbst sprechen können, erhalten dadurch eine Stimme. Individuelle Problemstellungen können am Stand der Messe erörtert werden.

Pflege und Therapie, medizinische Versorgung, Smarthome, Software- und Kommunikations-Hilfsmittel – zu all diesen Themen können sich die Besucher von führenden Spezialisten vor Ort beraten lassen.

Arbeit und Weiterbildung

Zum Thema Arbeit beraten erstmalig auf der Messe gleich mehrere Träger aus Hamburg. Mit dabei ist auch das Berufsförderungswerk, das Arbeitssuchenden kurzfristige Qualifizierungen, aber auch eine erste Orientierung für Arbeit und Berufsbildung anbietet. »Was bringt jemand mit? Welche Wünsche sind da? Was kann jemand? Und was hält die Agentur für Arbeit für machbar?« Das sind die Fragen, die für jeden Ratsuchenden individuell herausgearbeitet werden, so Annerose Kruwinnus vom Berufsbildungswerk Hamburg. Als Anlaufstelle sei der Stand für junge Menschen mit Behinderung, die erste Informationen über 21 berufliche Erstausbildungen sammeln können, ebenso interessant wie für »alte Hasen«, die sich weiterbilden möchten.

Auto und Reise

Ein Ferienhaus im dänischen Jütland, ein barrierefreies Hausboot an der Müritz oder ein Hotelzimmer auf Teneriffa: Zahlreiche Anbieter zeigen ihre Quartiere oder stellen Reisen vor. Schiffsreisen reichen dabei von einer Silvesterkreuzfahrt auf der Donau bis zur rollstuhlgeeigneten Karibik-Kreuzfahrt. Neu dabei sind auch Initiativen wie die Informations- und Beratungsplattform Reisemaulwurf, deren Gründer Menschen mit Hilfs- und Pflegebedarf kostenlos berät, wenn eine Auszeit vom Alltag fällig ist. Dazu gehört auch die Überlegung, wie man »Urlaubsgeld« von den Pflegekassen bekommt.

Wer mit dem Auto unterwegs ist, dem bieten erfahrene Pkw-Umrüster aus ganz Deutschland Einblicke in die Möglichkeiten technischer Umbauten. Firmen wie Lönnies, Paravan, Kirchhoff, Fricke, ASP oder Kowsky präsentieren Lösungen für unterschiedliche Anforderungen.

Recht bekommen, Parcours probieren

Auf der Messe gibt es zudem zahlreiche Be[1]ratungsangebote von Vereinen und Verbänden. »So etwas wie der ADAC für Autofahrer« sei etwa die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) für MS-Erkrankte, erklärt Markus van de Loo. An ihrem Stand informieren ausgebildete Peer-Berater über rechtliche Aspekte aus den Themenfeldern Arbeit, Mobilität und Wohnen. Die DMSG bietet für Mitglieder außerdem sehr günstige Urlaubsreisen an, etwa Segel-Törns auf der Ostsee.

Erstmalig in Kooperation mit der Ergo-Versicherung bietet der Deutsche Rollstuhl-Sportverband (DRS) wieder einen seiner erprobten Parcours an. Hier werden gängige Hindernisse simuliert. Unter Anleitung von ausgebildeten Therapeuten bekommen Menschen mit Behinderung genaue Anleitungen, wie sie die Barrieren effizient bewältigen können.

Der Titel »Perspektivwechsel« verweist darauf, dass alle Besucher diesen Parcours nutzen dürfen – auch Freunde, Partner oder Fußgänger, die in einen Rollstuhl wechseln und versuchen können, ein Kopfsteinpflaster zu meistern oder eine Kante zu überwinden. Die Ergo wird dafür großflächig werben, denn: »Es ist wichtig, dass Menschen, die gestalterisch in unserer Umwelt wirken und jene, die in Behörden und Krankenkassen mit Menschen mit Behinderungen arbeiten, wissen, was diese Menschen bewegt«, so Nils Colmsee von der Ergo.

Kultur

Und irgendwann werden auch wieder größere Festivals und Veranstaltungen stattfinden. Dann ist es gut, jemanden zu haben, der sich um alles kümmert, was behindert. Das »Buddy«-Konzept ist Dreh- und Angelpunkt eines besonderen Vereins. Wer als Mitglied das Merkzeichen »B« im Schwerbehindertenausweis hat, kann mit einem Buddy zusammentreffen und ihn oder sie kostenfrei mit zur Veranstaltung nehmen. »Spaß und Teilhabe stehen im Mittelpunkt und ermöglichen so das perfekte Eventerlebnis«, so Ron Paustian. Wie das geht, das erklärt der Gründer persönlich am Stand von »Inklusion muss laut sein e. V.«.

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